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Ansprache an die Schüler Eslands: Tõnis Lukas, Bildungsminister


Bildungsminister und Leader der Vaterlands- und Staatsangelegenheits-Union hat die Schüler und Lehrer seines Landes angesprochen:

"Ich begrüße euch herzlich an diesem herkömmlichen Schultag! Der Tag ist aber doch nicht so gewöhnlich, wie es scheint: letzte Woche hat es Plünderungen und Massenausschreitungen in Tallinn gegeben die für unsere sonst ruhige Stadt sehr ungewöhnlich sind. Der Grund dieser Geschehnisse ist ohne Zweifel die Massenpsychose, die die Leute zum strafbaren Verhalten verleitet hat. Aber ein noch wichtigerer Grund ist die unterschiedliche Einstellung der Menschen zu den geschichtlichen Geschehnissen der Vergangenheit. Die Geschichte Estlands ist dermaßen kompliziert, dass sogar die Esten keine ausreichende Kenntnis davon aufweisen können, geschweige von denen, die oder deren Eltern nach dem zweiten Weltkrieg in unser Land gezogen sind.

In letzten zwei Jahren hat man sehr viel über das Tõnismägi Monument gesprochen. Dieses Denkmal wurde von Sowjeten nach dem Krieg mitten in der Stadt aufgebaut, um neben ihm Propaganda Veranstaltungen durchzuführen, und den okkupierten Volk ständig daran zu errinern, wer gewonnen und wer verloren hat. Das ist das Symbol des Sieges. Aber nicht für Esten. Für die Esten ist es ein Symbol der Okkupation, denn der Sieg der Sowjetischen Truppen hat mit sich eine Welle der Verbrechen gegen die Bevölkerung gebracht. Massenrepressalien bestanden auch weiterhin. Die meist bekannte Deportation ist die vom Frühling 1949, während dessen über 20 000 Bürger aus deren Häusern abgeschleppt wurden- darunter viele Frauen, Kinder und alte Menschen. Viele von ihnen sind in Sibirien oder in Lagern der Zwangsarbeit gestorben. Während des zweiten Weltkriegs hat Estland ein viertel der Bevölkerung verloren, die gefallen, deportiert oder geflüchtet waren. Das ist eine der schrecklichsten Verlusten, die mit keinem Verlust der Völker Europas vergleichbar sind. In jeder estischen Familie gibt es Menschen, die gefallen oder deportiert wurden. Meine Großmutter und Großvater wurden getötet, obwohl sie einfache Bauer waren. Die Mörder hatten die selben Mundire an, wie der Soldat in Tõnismägi .

Ich will nicht das Unheil, das das deutsche Nazismus den anderen Völkern gebracht hat, verharmlosen( Faschismus ist das autoritäre regime Italiens). Estland hat ofiziell die Verbrechen von Nazismus mißbilligt, genau so wie die Verbrechen des Kommunismus. Estland hat unter beiden Okkupationen gelitten- sowohl unter Nationalismus, als auch unter Kommunismus. Die Esten mussten in Jahren des Krieges Mundiere beider Armeen tragen, dabei hatten sie aber versucht für Estland zu kämpfen, also nicht für eine oder andere Ideologie. Letzte Woche haben die Protestierende auf den Straßen skandiert: "Faschisten! Faschisten!", sie haben versucht die Esten zu beleidigen. Und das haben sie geschafft. Die Geschichte, genau so wie den heutigen Tag, darf man nicht schwarz-weiß sehen. Ein gebildeter Mensch kann die Untertöne erkennen. Der Sieg über Deutschland war sehr wichtig, aber man darf nicht die Bedeutung anderer Kriegsverbrechen  und Okkupation der unabhängigen Staaten unterschätzen.

Das, was um das Tõnismägi Denkmal passiert ist einen Leid wert. Dieses Denkmal ist ein von denen die anfang 90er Jahre bei Neuaufbau der Estischen Republik wegen ihrem künstlerischen Wert beibehalten wurden. Diese Entscheidung kann man als einmalig einstufen: normalerweise wird über das Schicksal solcher Monumente kategorischer beschlossen. Die Sowjeten haben zum Beispiel während der Nachkriegsrepressionen alle für die Esten wichtige Denkmäler vernichtet, darunter auch die des Befreiungskrieges! Sie wurden vernichtet und haben keine Spur hinterlassen. In diesem Fall geht es nur um die Umlegung der Begräbnisse der Gefallenen auf den Friedhof und um die Umlegung des Denkmals in unbeschädigtem Zustände.

Klar, dass Ankündigungen über die geplante Ausgrabung in Tõnismägi die Leute beunruhigt haben, aber es rechtfertigt lange nicht die Massenausschreitungen, Ausräubung der Läden , das Randalieren, das Zusammenschlagen der Mitbürger und das Stiften gefährlicher Situationen. Wegen den Krawallen hat die Regierung der Republik die Entscheidung getroffen, das Denkmal auf den Kriegsfriedhof umzulegen. Auf diesem Friedhof mitten in Tallinn ruhen Soldaten unterschiedlicher Epochen, darunter auch die sowjetischen Soldaten, die im zweiten Weltkrieg gefallen sind. Das Tõnismägi Denkmal hat dort einen schönen und gebührenden Ort eingnommen. In näherer Zukunft werden dort die Zäune und Wege angelegt. Aus technischen Gründen werden diese Arbeiten bis 9ten Mai nicht abgeschlossen werden können, aber alle die es wollen werden die Möglichekeit haben dort Blumen niederzulegen. Warum wurde das Monument so unerwartet umgelegt? Weil während es mitten in der Stadt stand, wurde es dafür benutzt, den Gewalt und Krawallen zu provozieren. Die Hetzer haben mit Sicherheit gewusst, was sie taten als sie die russischsprachigen Jugendliche dazu aufgefordert haben gegen eigenen Staat auszuschreiten. Das Monument selbst war ihnen nicht wichtig, sie wollten nur um jeden Preis dem Estischen Staat schaden, Estland um Ehre und internationales Ansehen bringen. Manche wollten nur zerstören und rauben.

Als Antwort auf die Krawallen in der Stadtmitte war die Regierung gezwungen am Donnerstag das Denkmal von ihrem Platz zu entfernen und somit den Provokateuren die Möglichkeit zu nehmen ihre Kräfte dort zu sammeln und öffentliche Ordnung zu stören. Ursprünglich waren nur die  Ausgrabung geplant um festzustellen, wer und wo unter diesem Denkmal begraben ist, und unter Umständen die Reste auf den Friedhof umzulagern, so dass die Leute nicht auf den Gräbern rumlaufen.

Liebe Schüler und Lehrer! Ich bin sicher, dass Sie die stattgefundene Verbrechen und Massenausschreitungen mißbilligen. Ein besonders schweres Verbrechen ist der Wiederstand gegen Handlungen der Polizei, die als einziges Ziel hat die Sicherheit für Leben und Besitz der Bürger zu wahren. Einen Stein in einen Polizisten zu werfen ist ein Verbrechen, für den man in den Knast kommen kann. Alle Teilnehmer der Krawallen, die früher bereits bestraft waren und die leider als schlechter Vorbild für die Schüler dienten, wissen es ganz gut.

Ich hoffe, dass die Schüler die an den Krawallen teil hatten, waren sich nicht bewusst, was sie taten. Sie waren in einen ungesunden Eifer geraten, und waren von den Personen ausgenutzt, die Jungendliche in ihren politischen Spielen einsetzen. Neben der Familie spielt Schule eine große geselleschaftliche Rolle, und deswegen rechne ich mit Ihnen, sehr geehrte Lehrer!

Liebe Schüler, wenn jemand euch in eurer Schule scharfmachen wird, bitte, schreibt mir eine Mail.

Originaltext hier

Tags: a politician said, estonian media, russian media
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